Google hat die Welt im Griff. Wie die Welt am besten von Kanada nach Australien kommt, weiß Google auch: Mit dem Kajak. Das ist kein Scherz. Bei der Routenberechnung empfiehlt einem Google, nachdem man links auf den “Northlake Way” abgebogen ist, paddelt man 12724 km über den Pazifik und dann scharf rechts an der Macquarie Street in New South Wales, Australien. Ja warum eigentlich nicht? Ich bin bekennend seit jeher auf der Suche nach einer handfesten Geschäftsidee, von der ich leben kann und dank Google weiß ich jetzt, dass ich einfach nur am “Northlake Way” einen Kanuverleih eröffnen muss. Herrlich.
Es ist schon etwas länger her, als ich auf einer Veranstaltung von »Freak Kayaks« war. Einige Amateurfilmer präsentierten ihre Kanufilme. Der beste Film bekam einen Preis. Im Herbst wollen die Jungs von »Freak Kayaks« das wiederholen. Ausser Konkurrenz wurde Schorschi Schaufs Dokufilm: »Expedition Peru« gezeigt. Ich war wirklich begeistert. Der Film erfüllt jede im postiven Sinne mögliche romantische Vorstellung einer Erstbefahrung, die von jedem Paddler wohl das ganze Leben lang mit sich herumgetragen wird. Dunkelgrüne, moosige Landschaften, unangetastete Natur die so herzlich dargestellten Einwohner in ihren Dörfern und dazwischen die Ruinen der Inka. Man hat den Eindruck, als würde diese tropische Luftfeuchtigkeit durch die Lüftungsschlitze des Projektors in den Vorführraum dringen. Jener Duft von regnerischen Sommertagen, kommt einem in die Nase, der ganze Streifen riecht nach Expedition. Die Kontaktperson hebt die ganze Unternehmung noch auf ein intellektuelles Niveau und dient als Verknüpfung zwischen den ehrwürdigen Wurzeln der Region und dem Respekt gegenüber der Natur, der in der gesamt Doku eine berechtigte Rolle spielt.
Ich fürchte nur, der Film ist noch nicht zu haben. Ich bin jedenfalls der erste, der die DVD in den Händen hält, sobald sie draußen ist. Auf Schorschis’ Website steht jedenfalls nicht mehr als das obligatorische “Comming soon”.
Einen Artikel über den scheinbar ertrunkenen Nordseepaddler John Darwin, der sich eigentlich mit seiner Frau und dem Versicherungsgeld nach Panama abgesetzt hatte, habe ich bereits geschrieben. Jetzt haben die Eigentümer einer kleinen Bar, Richard und Angie Lakey, beschlossen, ihre Kneipe zu Ehren von Mr Darwin in “The Seaton Canoe” umzubenennen. Laut dem britischen Mirror hat Darwin übrigens £250,000 abgesahnt. Richard meinte “Das wird so manchen lächeln lassen.” - wenn das das einzige Bestreben ist. Ich weiß jetzt jedenfalls, dass es irgendwo in Panama eine Bar gibt, die mal “Sinatra’s Bar” hieß und jetzt “The Seaton Canoe” heißt. Wenn ich das nächste Mal drüben bin, schau ich auf jeden Fall vorbei. Na klar.
Zwei Kanuten aus Recklinghausen halten in ihrem Blog die Tour zur Nordsee fest. Über den Dortmund-Ems Kanal, den Mittellandkanal rauf und schließlich über Weser sind die beiden - Achim und Thomas - schon seit dem 1. Mai unterwegs.
Mittlerweile sind sie bereits im Hafen von Bremerhaven. Das ist bestimmt gar nicht so unspannend. Mit dem ganzen Gepäck auch. Hört sich zumindest nicht so an. Die Frühstückslektüre lohnt sich auf jeden Fall.
Soziale Netzwerke sind im Moment der Hype. Für Paddler ist netzathleten die beste Wahl, ist der Gründer dieser Unternehmung doch Stefan Pfannmöller. Europameister, Vizeweltmeister, dritter in Athen - »Pfanne« kennt sich aus. Dementsprechend viele Kanuten treiben sich dort auch herum. Der BWL-Student denkt aber wohl auch an seine Zukunft nach dem Sport, denn mit netzathleten surft Stefan auf der Web2.0 Welle. Uns Kanuten jedenfalls eröffnet das Netzwerk eine sehr gute Möglichkeit alte Kontakte zu Pflegen und neue aufzubauen. Kurz nachdem ich meinen Account eingerichtet hatte, hatte ich schon die ersten Einladungen zum “Sportsfreund” von alten Bekannten aus meiner Aktivzeit in meiner Inbox, die ich schon ewig nicht mehr getroffen habe.
Die Möglichkeit Teams zu eröffnen ist eine schöne Sache. So kann man beispielsweise die eigene Vereinszugehörigkeit auch virtuell kundtun. Ich habe natürlich als erste Aktion das Team Kanubox gegründet: Die drei bisherigen Teammitglieder heißen me, myself und I. Aber das macht nichts, denn es gibt ja den Einladungslink: Den kann man auf der eigenen Website (z.B. Vereinsseite) verwenden um auf sein netzathleten-Team (und auf netzathleten.de selbstverständlich) aufmerksam zu machen.
1858, zur Zeit als im Neandertal die berümten Fossilien gefunden wurden, Charles Darwin ›Die Entstehung der Arten‹ publizierte, Abraham Lincoln in den USA über das Problem der Sklaverei debattierte und das Land kurz vor dem Bürgerkrieg stand, begann dort eine kleine Manufaktur in Orono, im Bundesstaat Maine hochwertige Paddel und Ruder herzustellen: »Shaw & Tenny«. Als Sie damals anfingen am Stillwater River mit wasserbetriebenen Maschinen Paddel und Ruder zu produzieren, waren Jollen und Kanus noch ein gebräuchliches Verkehrsmittel. Noch heute, zum 150sten Jubiläum seien einige dieser Originalmaschinen in Betrieb, erklärt die Firma stolz.
»Wir sind eine Manufaktur, keine Fabrik«
»Das Herstellen dieser Produkte erfordert einiges an Hand/Augen-Koordination«, sagt Steve Holt, der die Firma seit dem Jahre 2003 leitet. »Wir sind täglich aufgeregt und fühlen uns geehrt dieses unglaubliche Ansehen für unsere Spitzenleistung weiterhin zu erhalten, welche Shaw & Tenney weltweit ausgebildet hat«.
Auch hier in Deutschland kümmert sich jemand um den Vertrieb von »Shaw & Tenny« Paddel. Es ist Jörg Wagner von »Wooden Boat« in Rosbach. Wer also Interesse hat, sich diese Kunstwerke mal anzusehen, der muss nicht gleich über den großen Teich, wasserbetriebene, 150 Jahre alte Maschinen zur Paddelherstellung wird man dort aber leider nicht zu sehen bekommen.
In dem Psychologieblog, den ich eher unregelmässig lese (brainlogs.de), habe ich einen Artikel über dieses ominöse Web2.0 gefunden, was in unseren Kanukreisen noch eher ein unbekanntes Fremdwort sein dürfte. Aber da es uns immer mehr betrifft - und wie ich finde auch sinnvoll für die Szene ist - denke ich, sollte das mal zum Beginn der KanuBlogs erläutert werden. Im Grunde ist das Web2.0 einfach eine erweiterte Nutzung des alten Internets. Soziale Netzwerke wie das »StudiVZ« oder das für uns eher interessante »Netzathleten« (Betrieben vom Slalomprofi Stefan Pfannmöller) sind Errungenschaften dieser neuen Nutzungsmöglichkeiten. In dem besagten Artikel habe ich ein sehr kreatives, kunstvolles Video gesehen, welches ich euch nicht vorenthalten möchte, auch wenn es wenig mit dem Sport zu tun hat.
Warum ich finde, dass Web2.0 sinnvoll für die Kanuszene ist?
Nun als ich damals als Kindertrainer eine Plattform ins Netz stellte, um die Trainingszeiten, -resultate und -pläne und ein System zur Kommunikation im Internet verfügbar machte und den Eltern sagte, ich wolle darüber und per Email die Organisation vornehmen, schließlich seien Telefonketten im Internetzeitalter mehr als überholt, wollte niemand so recht was davon wissen.
»Als würde ich jeden Tag meine Emails checken.«
Aber mittlerweile ist das Netz auch in den Vereinsstrukturen nicht mehr wegzudenken. Das wird mit Web2.0 auch so sein. Die junge Generation wächst mit »YouTube« und »MySpace« auf und gerade wir, die wir so weit in der Welt herumkommen und Freunde in Vereinen wenigstens am anderen Ende von Deutschland haben, wenn nicht am anderen Ende der Welt, profitieren doch am meisten von einer sozialen Vernetzung im Sinne von Web2.0. Ganz zu schweigen von den tollen (Landschafts)Aufnahmen, die bei unserem Sport entstehen. Wie schade, fehlten unsere aufnahmen bei »Flickr«, fehlten unsere »Videos bei YouTube«.
Als Harold Arlen in dem Song »Over the Rainbow« die Zauberwelt von Oz mit den Worten »What a wonderful world« besang, dachte er wahrscheinlich nicht an Reinhold und Annette, die mit den gleichen Worten unseren Planeten meinen. Den kennen sie nämlich - mindestens aus der Perspektive eines Kanufahrers - ganz gut. Auf what-a-wonderfulworld.net berichten die beiden jedenfalls von Touren im hohen Norden, Kanada, Alaska, Norwegen, wie man dort Schweinswalen begegnet, wie man Sizilen zu Neujahr erlebt oder in Russland seine Pässe verliert.
»Aber man kann so eine Tour auch selber machen«
Auf die Seite wurde ich aufmerksam, als ich bei ›Zeit Online‹ den wirklich spannenden Artikel »Das Eis ruft« von Thomas Häusler gelesen hatte. Es wird von einer touristischen Expidition an die Östküste Grönlands berichtet. »Der Bericht ist echt toll. Aber man kann so eine Tour auch selber machen: what-a-wonderfulworld.net«, las ich in den Kommentaren. Ich wurde neugierig und fand die Berichte von Annette Baur und Reinhold Strecker.
Wenn jemand danach Sehnsucht haben sollte, der könnte sich an folgendem Seekajakfahrer ein Beispiel nehmen: Im März 2002 ist John Darwins’ Boot nach einer Tour auf der Nordsee zwar am Strand gefunden worden, von John allerdings fehlte jede Spur. Mr Darwin aber gab Versengeld und machte sich mit seiner Frau und dem Geld seiner Versicherung in Panama ein schönes Leben. Aber offenbar lässt es sich in Europa doch besser Paddeln: John meldete sich vergangenen März auf einer britischen Polizeiwache zurück - aus Sehnsucht - und gestand alles. Seine Frau nicht. Hach ist das Leben kurz.